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Vor Agenten wird gewarnt!

Schon um 1850 werben Agenten für die Amerikawanderung. Dieses Werben will man aber verbieten. Darauf macht ein Schreiben des Komitatsvorstandes an den Magistrat in Rust und in Eisenstadt aufmerksam: ,,Man ist in neuerer Zeit in einem Theile der Monarchie auf die Spur von Umtrieben zur Anregung der Auswanderungslust nach Amerika gekommen. Diese Agitationen gehen von einem Komitee aus, welches durch Agenten und verlockende Druckschriften die Lust zur Auswanderung zu befördern abzielt. Zufolge Erlasses der k.k. Distriktsregierung vom 3.9. Zahl 7912 beauftrage ich demnach die nöthigen Einleitungen zu treffen, damit die Thätigkeit von Auswanderungsagenten sowie die Verbreitung von Druckschriften, welche dahin abzielen, zur Auswanderung durch falsche Vorspiegelungen anzuregen, strengstens überwacht und einem sogenannten Treiben ernstlich gesteuert werde."

Ödenburg den 23. September 1852

"Aus verläßlicher Quelle erhalten wir nachstehende Zahlen über die aus dem Neusiedler Bezirke vom Jahre 1860 bis 1893 ausgewanderten Personen. Ausgewandert sind aus Banfalu (Apetlon) 423, aus Beratfalu (Mönchhof) 84, aus Boldogaszony (Frauenkirchen) 73, C. -Köbanya (Kaiser Steinbruch) 1, aus Feltorony (Halbturn) 388, aus Galos (Gols) 322, aus lllmitz 273, aus Neszider (Neusiedl am See) 55, aus Parndorf 101, aus Patlalu (Podersdorf) 147, aus Pomogy (Pamhagen) 629 und aus Vedeny (Weiden) 29, zusammen 3004 Personen".

Neusiedler Wochenzeitung, 1894

... nach Amerika

In der ersten Hälfte des 19. Jhdts. boten landwirtschaftliche Saisonarbeit und industrielle Wanderarbeit nur einem kleinen Teil der Bevölkerung des heutigen Burgenlandes eine Lebensgrundlage. Deshalb verließen Menschen ihre Dörfer, um der drückenden Armut zu entfliehen. Sie wanderten aus; die meisten in die Vereinigten Staaten von Amerika.
Die ersten Überseewanderer verließen einzeln oder in kleinen Gruppen ihre Heimat. Sie zogen weit in den amerikanischen Kontinent hinein, bis nach Kansas, Nebraska oder Dakota. Hier bauten sie sich - oft nahe an der damaligen Grenze zum Indianerland - ihre Farmen auf.

Ein besonders interessantes Beispiel für die frühe Amerikawanderung ist Josef Haider aus Walbersdorf: Er zieht zu seinem 53-jährigen Bruder, der Witwer und kinderlos ist. Dieser Bruder muss allerdings schon mehr als ein Jahrzehnt in Amerika gewesen sein. Er besitzt nämlich zwei Häuser, 160 Joch Ackerland und 80 Joch Wald! Josef Haider soll all dies erben. Deshalb sucht dieser beim Stuhlrichteramt in Mattersdorf um Erlaubnis zur Auswanderung an. Aus seinem Ansuchen ist folgendes zu entnehmen: Er, Josef Haider, besitzt in Walbersdorf ein Söllnerhaus. Dieses verkauft er, um u.a. die Reisekosten abzudecken. Er möchte über Bremen auswandern, wo er im Hafen einen Brief seines Bruders mit Geld erhalten wird. Josef Haider ist 40 Jahre alt, Familienvater von vier unversorgten Kindern und von Beruf Zimmermann. Er hat ein geschätztes Vermögen von 6000 Gulden und keinerlei Schulden, was ihm von seiner Gemeinde bestätigt wird. - Die Behörden reagieren rasch. Schon am 12. Juni 1855 unterzeichnet er in Ödenburg die notwendigen Dokumente - auch die Verzichtserklärung auf das Staatsbürgerrecht! Er nimmt den begehrten Paß in Empfang und verlässt wenig später mit seiner Frau Theresia und den minderjährigen Kindern Elisabeth, Theresia, Maria und Michael seine Heimat.

Zwischen 1870 und 1890 begann die Amerikawanderung allmählich größere Ausmaße anzunehmen. Der Auswanderungsstrom nach Amerika erfasste zuerst das nördliche, dann das mittlere und zuletzt das südliche Burgenland. - Der Geograph und hervorragende Kenner der Güssinger Landschaft, Ludwig Graupner, schreibt dazu:

"Die Auswanderung nach Amerika erfolgte fast ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen. Die zunehmende Überbevölkerung seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts führte nach und nach zu einer Notlage der wirtschaftlich schwachen Bevölkerungsschichten. Es waren dies die Klein- und Berghäusler, die Kleinbauern und deren zahlreiche Kinder. Die Landschaft war um 1869 mit Menschen so übersättigt, dass für die steigende Einwohnerzahl die Lebensgrundlage fehlte. Der vorhandene Raum und landwirtschaftlich nutzbare Boden waren aufgebraucht, Siedlungsmöglichkeiten waren nicht mehr vorhanden, das Gewerbe konnte nur einer verhältnismäßig geringen, weit unter dem Bevölkerungsüberschuss liegenden Anzahl von Einwohnern Verdienstmöglichkeiten bieten; Industrien, die fähig gewesen wären, größeren Menschenmassen Arbeit zu geben, fehlten vollständig. Es blieb daher kein Ausweg, um leben zu können, als auf Saisonarbeit zu gehen oder auszuwandern. Dabei waren weniger Gefühlsmomente oder Neigungen maßgebend, sondern das harte Muß. Die hohe Kinderzahl verschärfte diese Lage in steigendem Maße. So wagten denn die Ersten, unter Verwendung ihrer letzten Groschen zur Überfahrt, den groben Versuch und fuhren in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die ersten Auswanderer lockten andere nach und so kam die Lawine ins Rollen.

Um 1890 begann die Amerikawanderung schlagartig anzusteigen und entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zu einer Massenauswanderung. Ein richtiges Auswanderungsfieber erfasste die Dörfer. War die frühe Auswanderung eine Siedlungswanderung, so kann nunmehr diese Auswanderungswelle als Industriewanderung bezeichnet werden. Einwanderer aus dem heutigen Burgenland ließen sich nun als Industriearbeiter in Chicago, Pennsylvania und auch in New York nieder.

Neben den wirtschaftlichen und sozialen Ursachen der Massenauswanderung ist auch die Tätigkeit der deutschen Schifffahrtsgesellschaften erwähnenswert. Sie betrieben geschickte Propaganda. Ihr Agentennetz erfasste fast jedes Dorf und für viele gaben die Agenten den letzten Anstoß zur Auswanderung.

Bis 1914 wanderten rund 30.000 Burgenländer nach Übersee aus. Allerdings war auch die Zahl der Rückwanderer beträchtlich. Rund 5000 kamen wieder in ihre Heimat zurück. Viele wollten einige Jahre in Amerika Geld verdienen, um dann ihr Erspartes in der heimischen Landwirtschaft oder in einem Gewerbe zu investieren (Vergleiche die Grafik auf Seite 123).

Für viele Auswanderer wurde Ellis Island zur ,,Insel der Tränen", denn im Hafen von New York angekommen zu sein, bedeutete noch lange nicht, das gelobte Ziel erreicht zu haben. Die amerikanischen Einwanderungsbehörden hatten auf einer kleinen Insel vor New York einen festungsartigen Bau errichtet. Hier mussten die Einwanderer die verschiedensten Fragen beantworten und sich einer strengen medizinischen Untersuchung stellen. Nicht wenige wurden abgewiesen und hatten die bittere Rückreise anzutreten!

Johann Rießner ca. 1905 - Der gelernte Schlosser aus Pamhagen wanderte 1882 nach Amerika aus. Er war damals 26 Jahre alt, noch keine drei Jahre verheiratet und Vater zweier Kinder - Erste Station war Minneapolis, wo sich Rießner 26 Jahre als Maschinist verdingte. 1908 übersiedelte er nach San Francisco, wo er sechs Jahre lang als Nachtportier im "Bismark-Cafe" arbeitete. 1914 ging Rießner nach Oakland, doch dürfte er hier nicht mehr erwerbstätig gewesen sein. 1939 starb er hochbetagt in "Malerika".

Die Gedichte Johann Rießners entdeckte der ebenfalls aus Pamhagen stammende Gymnasialprofessor Hans Pennauer anfangs der 1970er Jahre.

"Dorthin möchte'" ich gerne wandern,
Wo die Rebe Trauben trägt,
Wo ein Mensch noch liebt den andern,
Dem ein Herz im Busen schlägt.

Dorthin möchte' ich gerne gehen,
Wo der See die Wolken küßt
Wo beim Sonnenuntergehen
Man mit Gott sein Tagwerk schließt.

Doch - mein Grab wird man mir bauen
hier am stillen Meeresstrand,
Dich werd ich wohl nie mehr schauen
Heißgeliebtes Ungarland!"

Aus: "Heimweh", (1908)

Quelle: "Geschichte des Burgenlandes"

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